Das 10-Sekunden Urteil

In den ersten zehn Sekunden ist die Wahrscheinlichkeit am größten, eine Webseite zu verlassen, da die Nutzer aufgrund bereits in der Vergangenheit gesammelter Erfahrungen mit schlechten Webseiten sehr misstrauisch sind. Das Verhalten resultiert aus dem Wissen, dass die meisten Webseiten nutzlos sind. Mit zunehmender Verweildauer steigt die Wahrscheinlichkeit, noch länger zu verweilen. Bleibt ein Nutzer 30 Sekunden, dann ist die Chance groß, dass er bis zu zwei Minuten oder sogar noch länger verbleibt.

Wir wollen, dass Besucher unserer Seite nicht nur kurz das Gesicht durch die Tür stecken und auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wir wollen, dass sie es sich auf der Couch gemütlich machen, in unseren Sachen stöbern und am besten ihre Zahnbürste da lassen. Wie kann man die durchschnittliche Verweildauer von Besuchern erhöhen?

Das Internet macht es uns nicht leicht. Mal abgesehen vom unendlichen Angebot, aus dem wir unsere Informationshäppchen picken müssen, locken überall Logos, Links, Banner, Bilder, Videos und natürlich zwischendrin noch Texte.

Aber die Menschheit wäre nicht so weit gekommen, wenn sie nicht gelernt hätte, sich den Umständen anzupassen. Wir haben gelernt, schnell viel Text zu lesen und das Gelesene zu verarbeiten. Gegner dieser Entwicklung bescheinigen uns zwar die Konzentrationsfähigkeit eines hyperaktivitätsgestörten Eichhörnchens, aber wir werden ja sehen, wen die Evolution übrig lässt. Ähnlich gnadenlos ist auch der Internetnutzer. Genügt eine Seite nicht den mannigfaltigen Ansprüchen, ist die nächste Seite nur einen Klick entfernt.

Diese Friss-oder-Stirb-Mentalität muss man sich immer wieder vor Augen führen, wenn man eine Website betreut, denn das Verhalten der Website-Besucher ist ein Rankingfaktor für Google.
Unter anderem spielt die durchschnittliche Verweildauer der Besucher eine Rolle. Auch die Konversionsrate ist eng mit der Verweildauer verknüpft. So sind die Sichtbarkeit und die Zeit, die der Cursor über einer Werbung schwebt (Hover-Zeit), laut comScore von größerer Bedeutung für eine Konvertierung als der reine Klick.

Doch wie kann man letztendlich erreichen, dass Besucher sich möglichst lange auf der Seite aufhalten?

Klarheit
Eine Website braucht eine Kernaussage, einen Satz, der alles sagt. Nicht zwei, nicht fünf, nur einen Satz. Wie bei der Überschrift in einer Zeitung, muss sofort verstanden werden, worum es geht. Einfach und klar bedeutet aber nicht unbedingt simpel. Die Redensart „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ zum Beispiel drückt mit wenigen Worten viel aus.

Überraschung
Wenn etwas unerwartet ist, ein Element der Überraschung aufweist, hat es unsere Aufmerksamkeit. Das heißt nicht, dass wir Seiten toll finden, die automatisch ein lautes Video starten und bei der sich der Cursor in eine blinkende Katze verwandelt.

Greifbarkeit
Gestalte deine Seite in einer Sprache, die deine Besucher verstehen. Mach es wie die Bibel und sprich in Gleichnissen. Eine Cola enthält so und so viel Gramm Zucker und ist ungesund? Zeig ein Glas Cola mit dem Äquivalent an Zuckerwürfeln. Deine Software kann dies und das? Vergiss den Screenshot nicht. Appelliere an alle Sinne – kann man es sehen, hören, fühlen, beinah schmecken und anfassen, dann ist es greifbar.

Gefühl
“Ich kümmere mich nie um Menschenscharen, sondern nur um eine Person. Würde ich die Scharen ansehen, würde ich nie beginnen.” Mutter Teresa

Empathie ist die Fähigkeit, Gefühle anderer Menschen zu verstehen. Wir spenden nicht, weil es Hunger und Krieg gibt, wir spenden, weil wir ein weinendes Kind sehen. Wir entwickeln keine Gefühle für abstrakte Konzepte, sondern für etwas oder jemanden, mit dem wir uns identifizieren können oder weil wir Ähnliches erfahren haben.

Quellen: Ines Schaffranek, Nielsen Norman Group

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